Im Gespräch mit Frau Schimanski, 50 Jahre, Köln-Buchheim 
 
In unserer Kirchengemeinde gibt es seit vielen Jahren einen „Arbeitskreis Trauerpastoral“. Viele Angebote finden in Kooperation mit dem Hospizverein Köln-Mülheim und der evangelischen Kirchengemeinde Mülheim am Rhein statt.
 
Neben dem Trauercafé lädt Katja Schminanski zu „Trauerspaziergängen“ ein. Darüber und über das, was ihr die Kraft für diese Aufgabe gibt, erfahren wir im folgenden Gespräch mit ihr.
 
Sie arbeiten im Hospiz in Köln-Nippes. Was sind da Ihre Aufgaben?
Die Tätigkeit als Krankenschwester im Hospiz umfasst verschiedene Aufgaben. Ich unterstütze unsere Gäste bei der Körperpflege je nach Wunsch und Bedarf und übernehme die komplette medikamentöse Behandlung nach ärztlicher Anordnung. So ist es möglich, Medikamente schnell und zielgerichtet verabreichen zu können, um die Beschwerden von schwertstkranken Menschen zu lindern, und verbleibende Lebenszeit auch lebenswert zu machen. Ich bin Ansprechpartner für die Angehörigen, Behörden, Krankenkassen und für alle Belange, die unsere Gäste angehen. Eine Vermittlung von seelsorgerischen und ehrenamtlichen Angeboten gehört auch dazu. 
 
Ehrenamtlich leiten Sie ein Trauercafe, arbeiten in unserer Gemeinde in der Trauerpastoral mit und laden immer wieder zum Trauerspaziergang ein. Wie geht so ein Trauerspaziergang, was passiert dabei?
Das Trauercafé ist keine ehrenamtliche Tätigkeit für das Hospiz. Da ich die Weiterbildung zur Trauerbegleiterin habe, kann ich dem Hospiz die Möglichkeit bieten, dieses Angebot zu machen. Im Dienstplan ist der 1. Donnerstag im Monat ein fester Termin. Das Trauercafé macht mir große Freude und ist ein großes Geschenk für mich. 
 
Ich kann ausprobieren, was ich gelernt habe und mich weiter entwickeln. Zudem lerne ich soviel von den Gästen des Cafés und bin immer wieder dankbar für das Vertrauen, welches mir entgegen gebracht wird. 
 
Genauso ist es mit den Trauerspaziergängen.Was passiert dabei? Einen Spaziergang kennt jeder, und ich gebe mit dem Vorlesen eines Textes zum Thema und dem Ritual am Ende dem ganzen einen speziellen Rahmen. 
 
Ich glaube, es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die einen Trauerspaziergang besonders machen. Zum einem, die bewußte Auseinandersetzung mit der Trauer, jeder hat das gleiche Thema und weiß, worum es bei diesem Spaziergang geht. Zum anderen kann die Bewegung in der Natur eine heilsame Wirkung haben. Die Sinne werden angesprochen, manch einer findet in Gesellschaft und Bewegung die Sprache eher wieder als alleine mit seinen Gedanken. 
 
Denn der Austausch mit Menschen, die in der gleichen Situation sind, wird immer wieder als sehr erleichternd und unterstützend empfunden. 
 
Das Ritual am Ende, mit dem Suchen und Finden des "richtigen" Steines, das Beschriften und die Übergabe an den Rhein, das fließende Gewässer, vertraut und doch immer anders, bietet einen runden Abschluß. 
 
Wie kommen Sie mit den Erfahrungen von Tod und Sterben, Abschied nehmen und Trauer zurecht? Was sind ihre Quellen, die ihnen Kraft zu dieser Aufgabe geben?
Der Umgang mit dem schweren Themen des Lebens ist nicht nur belastend, sondern hat eine prägende und durchaus auch positive Wirkung. 
 
Ich habe gelernt, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist, und wie zerbrechlich ein Lebenskonzept sein kann. Dies macht mich demütig dem Leben gegenüber und hilft mir, das Glück in den kleinen und alltäglichen Freuden des Lebens zu sehen und zu finden. Nach dem Motto: Mehr vom Leben durch Umgang mit dem Tod. 
 
Um mit den vielfältigen Eindrücken zurecht zu kommen und nicht selber Schaden zu nehmen, ist auch der Austausch mit den Arbeitskollegen wichtig, ebenso Supervision unter professioneller Leitung und die Wahrnehmung der eigenen Grenzen, sowie die Nutzung von eigenen Ressourcen. 
 
Was gibt mir Kraft und was treibt mich an? Kraft gibt mir, unter anderem auch der christliche Glaube und die Überzeugung, dass wir Menschen alle miteinander verbunden sind. 
 
Wenn wir aufeinander Acht geben und uns gegenseitig unterstützen, geht es uns gut. Zudem fühle ich mich vom Leben reich beschenkt mit Liebe, Glaube und Hoffnung, wie sollte ich davon nichts abgeben? 
 
Ich interessiere mich für Menschen und ihre Geschichten. Wie sie mit Veränderungen umgehen und was sich daraus entwickelt. Das finde ich spannend und freue mich, wenn ich durch meine Begleitung einen Teil dazu beitragen kann. 
 
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führte Wolfgang Obermann
 
Informationen zu unserem Trauercafé und dem Trauerspaziergang finden Sie unter: 

Trauerpastoral

Kontaktdaten

Verantwortlicher Ansprechpartner:
Wolfgang Obermann



 obermann@clemens-mauritius.de  
 
0178/5387918


 

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