WEGWEISER
Die Firmlinge und der liebe Gott Zugegeben: Als die Bitte an mich herangetragen wurde,
einen Artikel über die Glaubensvermittlung in der Firmvorbereitung zu schreiben,
musste ich mich nicht zurückhalten, weil ich vor Freude geradezu platzte.
Der Versuch, das Thema allgemeiner zu gestalten oder auf eine andere Gruppe zu lenken, scheiterte.
Es war der feste Wille der Redaktion, etwas zum Thema Glaube und Firmlinge in
dieser Ausgabe der civitas abzudrucken, und ich war der Auserwählte.
Hier wird eine Ambivalenz deutlich, die nach meinem Dafürhalten ein Spiegelbild für Sie als Außenstehende
im Gegenüber zu den Verantwortlichen der Firmvorbereitung ist. Für Außenstehende erscheint es spannend,
was alles in der Firmvorbereitung gemacht wird und wie den „jungen Leuten“ die Themen Gott, Kirche und
Jesus nahegebracht werden. Nicht selten verbinden sich damit die Wünsche, wieder mehr Menschen jüngerer
Generationen in die Gottesdienste zu bringen. Für mich als Teil der Verantwortlichen in der Firmvorbereitung ist
die Aufgabe vor allem viel zu komplex und zu kompliziert, um sie hier abzulichten. Ich kann hier also nur auszugsweise,
verkürzt und unvollständig über unsere Art der Firmvorbereitung erzählen. Meine kurze Antwort lautet deshalb immer:
Ich weiß nicht, ob wir mit der Firmvorbereitung überhaupt etwas bei den Jugendlichen und jungen Erwachsen in Bezug
auf Glaubensvermittlung erreichen. Doch um eines direkt hinterherzuschieben: Ich werfe das niemandem vor, auch
und insbesondere den Firmlingen nicht.
Dieser Blick mag etwas ernüchternd wirken. Falls es sie beruhigt, darf ich ihnen sagen,
dass ich weder resigniere noch verzweifle. Ich bin sehr gerne in der Firmvorbereitung aktiv,
erzähle von meinem Glauben, aber auch von meinem Zweifel, ringe und diskutiere
beherzt ausgiebig im wahrsten Sinne des Wortes über „Gott und die Welt“.
Aber ich zweifle und bin unsicher. Unsicher deshalb, weil ja kaum feststellbar ist,
ob und wie wir mit unserer Firmvorbereitung etwas zum Glaubensleben junger Menschen
beitragen können. Schaute man lediglich auf die Zahl derer, die auch nach der Firmvorbereitung
in unsere Gottesdienste strömen, wäre der Blick sehr enttäuschend.
Der Blick auf stumpfe Gottesdienstzahlen ist zwar ein sehr einfaches aber auch sehr
beschränktes Instrumentarium.
Natürlich ist die Firmvorbereitung bei uns immer noch ein Fest, das man im Alter zwischen 15 und 17 so „mitnimmt“.
Daran ist auch erstmal gar nichts auszusetzen. Da ein Sakrament auch qua Definition ein Geschenk ist, verbieten sich anschließende Erwartungshaltungen.
Alles, was wir im Rahmen der Firmvorbereitung machen, ist also immer zunächst ein Angebot
an die Firmlinge und ein Versuch unsererseits, einen Draht zum Glauben herzustellen.
Dabei möchte ich explizit die Rolle von uns als Verantwortliche reduzieren. Nicht, dass wir nicht auch
wichtig wären. Schließlich sind wir davon überzeugt, dass der Glaube nicht durch Buchvermittlung,
sondern durch die Weitergabe zwischen Menschen geschieht. Doch das Wesentliche ist
– um Exupérys Welterfolg frei zu zitieren – für die Augen unsichtbar. Das ist in unserem
Fall die Beziehung zwischen Mensch und Gott.
Hier wird ein entscheidender Unterschied zum Religionsunterricht und der Schule
im Allgemeinen deutlich: Es geht in der Firmvorbereitung nicht zuerst um Wissensvermittlung.
In der Firmvorbereitung geht es in erster Linie um die Frage, was Glaube mir zu tun hat.
Wir möchten die jungen Menschen zu ebendieser Frage an sich selbst ermutigen:
Haben Gott, Jesus und Kirche etwas mit meinem Leben zu tun,
und haben sie eine Bedeutung für mich? Das ist freilich eine Lebensfrage und in vielen Fällen
auch nicht ein für allemal zu beantworten. Vielleicht ist es im Rahmen der Firmung auch schon
ein immenser Erfolg, wenn die Frage überhaupt fürs Leben mitgenommen wird.
Thematische Gruppentreffen sind der Ausgangspunkt für unsere Hilfestellung,
wenn wir uns zum Beispiel mit „Meinem Gottesbild“ auseinandersetzen.
Es geht weniger um den Diskurs zwischen deistischen oder theistischen Gottesvorstellen,
sondern wie oben skizziert darum, wer dieser Gott für mich ist.
Daneben sind Eucharistiefeiern ein wesentlicher Bestandteil unserer Vorbereitung.
Uns ist es wichtig, dass die jungen Menschen im Rahmen ihrer
Vorbereitung auch die diakonische Dimension der Kirche kennenlernen.
So macht jeder Firmling ein Praktikum in selbst zu wählenden Einrichtungen
oder Projekten der Gemeinde. Die Lebensmittelausgaben stehen hier ebenso
zur Wahl wie die Gräberpflege auf dem Friedhof oder andere caritative Aufgaben.
Wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, ist unsere Firmvorbereitung
mit Firmfeier bereits vorbei. Doch so ganz stimmt das ja nicht:
Die Frage nach dem Glauben endet nicht.
Text: Michael Schmitt, Pfarrer
Foto: neirfy / KI, Quelle: stock.adobe.com


