Liebe Leserinnen, liebe Leser,
als ich noch nicht in die Schule ging, stand ich einmal in der Küche meiner Großeltern und jemand fragte mich, was ich denn einmal werden wollte. Ich antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Opa!“. Diese Antwort war für mich völlig klar, denn mein Opa war nicht nur ein unglaublich liebenswürdiger Mensch, er war auch immer da und hatte Zeit. 
  
Großeltern als ein Symbol für Beständigkeit, für ein ruhiges Leben nach einer langen Berufstätigkeit? Dieses Bild scheint heute ausgedient zu haben. Nicht nur gelten ältere Menschen manchem als Risikogruppe, als Belastung der Sozialsysteme oder als schwer erziehbare Wähler, die Werbung gaukelt auch gern das Bild des bis ins hohe Alter aktiven Ehepaars vor, das ständig neue Abenteuer erlebt. 
  
Vielleicht sind die Bilder vom beständigen, ruhigen Leben und auch vom aktiven, sogar etwas abenteuerlustigen Leben nicht so ganz falsch – natürlich immer unter Berücksichtigung des jeweiligen Gesundheitszustandes. Mancher entdeckt im Alter ein neues Hobby – es muss ja nicht gleich das Fallschirmspringen sein – das ihm Freude macht und von dem er früher nicht geträumt hätte. 
  
Neue Lebenssituationen stellen immer neue Herausforderungen dar, wenn Sie den Film „Pappa ante portas“ von Loriot kennen, wissen Sie, was ich meine. Ein Ehepaar, das Jahrzehnte durch berufliche Tätigkeiten tagsüber getrennt war und nun neu zusammen finden muss, das kann schon Sprengstoff bergen. Großeltern zu werden und die Sorge um die Enkel kann verjüngend, aber auch anstrengend sein, die Pflege des erkrankten Ehepartners kann an die Grenzen und auch darüber hinaus gehen. 
  
Ich überlege schon länger, ob wir als Kirche nicht eine besondere Segensfeier für den Ruhestand einführen sollten. Immerhin handelt es sich ja um eine massive Veränderung der Lebenssituation, durchaus ähnlich einer Erstkommunion oder Hochzeit. So ein Segen sollte Kraft und Mut für die Zukunft spenden, Gottes Beistand für die kommenden Jahrzehnte zusagen. 
  
Das folgende Gebet wird der Hl. Theresia von Avila zugeschrieben und es kann eine Hilfe sein, uns auf den neuen Wegen besser zurechtzufinden. 
  
O Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag
zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.
Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegen-
heit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch,
hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheiten
erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben –
aber Du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar 
Freunde erhalten möchte.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzel-
heiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben,
wächst von Jahr zu Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krank-
heitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören:
aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein, mit ihnen lebt es sich
so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartet Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. 
  
Text: P. Thomas Lüersmann SDB
Foto: annaviolet, Quelle: stock.adobe.com

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