Im September 2019 bin ich in mein bis jetzt größtes Abenteuer gestartet und mit der Organisation Don Bosco Volunteers der Don Bosco Mission Bonn einen Auslandsfreiwilligendienst in Ruanda angetreten.

In Rango, einem kleinen Dorf im Süden Ruandas, habe ich mit Salesianern zusammen in einer Kommunität gelebt, gearbeitet und gebetet. Auf dem Gelände der Salesianer betreuen diese ein Ausbildungszentrum und ein "Oratorium“. Das Oratorium in Rango hat jeden Nachmittag offen und lädt alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Zusammenkommen, Austauschen, Spielen und Sportmachen ein. Hier haben alle die Möglichkeit auf einem der drei Spielfelder für Basketball, Volleyball und Fußball zu spielen oder sich einfach auf die umliegenden Wiesen zu setzten, zu zugucken oder zu reden.

Meine Aufgaben dort waren bunt gemischt und vieles davon ist auch erst im Laufe der Zeit und aus eigenem Interesse entstanden: ich habe im Ausbildungszentrum Englisch unterrichtet, die Tanz AG begleitet, einen Französischkurs angeboten, jeden Tag beim Oratorium aufgepasst, mit den Jugend- lichen Basketball gespielt, bei Hausaufgaben unterstützt, den Kinderchor der Gemeinde betreut und mit meiner Mitvolontärin Emma jeden Samstag ein Straßenkinderprojekt organisiert. Dafür haben wir jedes Mal ein kleines Programm aufgestellt, das waschen, spielen, lernen, essen und beten umfasst.

In Rango selbst, in der Kommunität der Salesianer und in der immer belebten Kirche der Gemeinde bin ich auf so viele neue und unbekannte Sachen gestoßen, wurde mit Kinyarwanda – einer für mich komplett neuen Sprache-, einer anderen Kultur, Gastfreundlichkeit, Solidarität, Herzlichkeit, tiefsten Gottesvertrauen und noch so vielem mehr konfrontiert, verwundert, entzückt und interessiert. Besonders gefallen haben mir all diese kleinen Momente der Freude, die man gar nicht richtig beschreiben kann. Das verschwitzt Hügelbetrachten am Rande des Basketballfeldes nach einem anstrengenden Spiel, die spontanen Tanz- und Gesangseinheiten beim Abwasch in der Küche, das Lächeln der Kinder...

Und dann kam Corona

Während es im Februar in Asien schon ordentlich los ging, waren alle Volontäre zum Zwischenseminar in Sambia. Erst bei unserer Landung in Kigali nach dem Rückflug habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Corona nun auch ein Thema in Ruanda werden könnte. Wir wurden da nämlich vor der Einreise mit dem nun überall bekannten Fragenkatalog zu möglichen Corona-Symptomen bombardiert.

Wieder in Rango angekommen, holte uns der Alltag aber schnell ein. Es ging für uns sofort los zum Unterrichten und wir machten uns an die ersten Änderungen fürs Straßenkinderprojekt. Das Gefühl, wieder "zu Hause" sein, war irgendwie sehr bestätigend und motivierend. Ich hatte außerdem das Gefühl, nach dem Seminar Anfang Februar, ging es für uns im Freiwilligendienst so richtig los.

Ich habe über Freunde und Familie mitbekommen, wie sich Corona auch langsam auf das Leben in Deutschland auswirkte und Abends in den Nachrichten wurden auch immer wieder die steigenden Zahlen angesprochen. Doch das wirkte für uns alle so weit weg. Wenn man das Thema Corona im Oratorium oder morgens bei den Versammlungen unserer Schüler ansprach, wurde nur gelacht: diese mysteriöse Krankheit, mit der die Europäer zu tun haben ... Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent waren bis zu diesem Zeitpunkt nur 2 Infizierte im Norden gemeldet.

Doch auch in Ruanda wurden langsam Vorsichtsmaßnahmen getroffen: der Friedensgruß in den Messen durfte nicht mehr per Hand erfolgen und auch auf die normalerweise so herzliche und kontaktbetonte Begrüßung von Freunden und Bekannten auf der Straße sollte nun verzichtet werden. Schon bald gab es lustige Begrüßungen mit den Füßen oder Ellenbogen. Bei jeder Möglichkeit wurde nun das Thema Corona angesprochen; in der Predigt, beim täglichen Abendimpuls, in Schulen, nach einem Fußballspiel etc. und wie aus Zauberhand standen vor den Läden in der nahe gelegenen Stadt und auch bei uns in Rango vor den Marktmauern und vor einigen Häusern selbst konstruierte Waschbecken/Wasserkanister mit Schnüren zum Kippen. Nun wurde immer und überall betont, wie wichtig Händewaschen sei.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren noch keine offiziellen Fälle in Ruanda und in den Nachbarländern bekannt. Dann ging alles recht schnell; es wurden 2 Fälle in Kigali gemeldet und schon 2 Tage später am 15.03. ließ man in Ruanda alle Kirchen und Schulen schließen. Unsere Sportplätze und das Oratorium blieben noch 2 – 3 Tage länger auf, doch dann wurde auch dieses Risiko erkannt und das Oratorium geschlossen. Ebenso mussten wir schweren Herzens unser Straßenkinderprojekt, das mittlerweile jeden Samstag ca. 80 Kinder für den Vormittag auf dem Salesianergelände willkommen heißt, bis auf Weiteres pausieren. Da wurde uns langsam klar, dass Corona für Ruanda, für die Menschen hier und für uns vielleicht doch ein Thema werden könnte. Es wurden 2 weitere Fälle, ebenfalls in Kigali, gemeldet und die Regierung verhing sofort eine Ausgangssperre im ganzen Land.

Wir machten uns viele Gedanken über unsere Schüler und die Straßenkinder, konnten aber nichts tun. Und langsam kam dann auch diese böse Vorahnung. Dieser total unrealistische Gedanke, diese Befürchtung, dass wir alle unseren Freiwilligendienst abbrechen müssten. Es war schon längst klar: niemand wollte seine Einsatzstelle, sein neues zu Hause, seine Schützlinge und Freunde verlassen. Doch nach einer Woche des Hin und Her saßen Emma und ich auf einmal schon im Flieger zurück nach Deutschland. Es ging alles so schnell, wirkte so unrealistisch und doch verging die Zeit bis zur finalen Ansage, dass wir jetzt sofort zurück reisen sollten, sehr zäh. Diese paar Tage vor unserer Abreise waren so komisch. Zuerst konnten und wollten wir es gar nicht wahr haben, dass wir jetzt schon gehen sollten. Frustration, Angst um die Menschen in Rango, Unverständnis und Ungewissheit purzelten die ganze Zeit in meinem Kopf hin und her. Doch ab einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt war das vorbei. Irgendwie habe ich es dann so hingenommen und versucht, noch so viel wie möglich zu machen und alles darauf vor zu bereiten, dass sich neue Volontäre oder andere freiwillige Helfer für das Samstagsprojekt schnell zu Recht finden können.

Da das Ausbildungszentrum und das Oratorium schon geschlossen waren und auch die Ausganssperre schon verhängt wurde, konnten wir uns nur von sehr wenigen Menschen verabschieden. Den Abschied in Rango hatte ich mir auch anders und vor allem später vorgestellt. Wir konnten keinem wirklich erklären, wieso wir jetzt nach Deutschland zurück müssen. Wenn ich anfing, die Situation zu erklären, fingen die meisten an zu lachen und fragten mich, wieso ich denn in ein Land zurück gehe, in dem es so viele Coronafälle gibt und nicht einfach in Ruanda bleibe, wo es doch fast keine Fälle gab.

Gedanken und Erfahrungen

Am Flughafen in Amsterdam wurden wir dann am 23.05 von unseren Vätern empfangen. Und als all das Gepäck verschaut war, kam auf einmal ein weiterer Moment, den ich mir anders und noch sehr weit entfernt von mir vorgestellt habe: der Abschied von Emma. Sie war nicht nur meine „Mitvolontärin“, sondern ist auch eine richtig gute Freundin geworden. Sie war die ganze Zeit mit dabei, hat viele meiner Erfahrungen geteilt und war einfach immer für mich da. Wenn man so 7 Monate 24 / 7 aufeinander hängt, ist es schon schwer, auf einmal Tschüss zu sagen. Auch jetzt fehlt Emma mir manchmal. Wenn ich unbedingt über etwas reden, sie in den Arm nehmen oder heimlich mit ihr Milkaschokolade essen möchte zum Beispiel.

Es war komisch, dann doch so schnell wieder in Deutschland sein. Während ich in Rango war, habe ich gemerkt, wie viel mir Köln und all die lieben Menschen hier bedeuten. Und jetzt wo ich wieder hier bin, freue ich mich natürlich auch, keine Frage. Doch jetzt starten diese Gedanken auch in die andere Richtung. Rango, die Salesianer, die Schüler, die Kids vom Projekt, die Gemeinde und noch so viel mehr, sind Teil meines zu Hauses und der Don Bosco Familie geworden und nun mache ich mir Gedanken um sie. Ich denke viel an unsere TVET-Schüler vom Ausbildungszentrum: was machen die jetzt bloß den ganzen Tag? Und freuen sie sich, ab September wieder „kwa Padiri“ (kinyarwanda für „bei den Vätern“) in die Schule gehen zu können? Viele Gedanken und Sorgen umgeben auch unser Straßenkinderprojekt: wann kann es wieder starten? Wie geht es den Kindern? Wer wird sich nun um die Finanzen kümmern, das Spieleprogramm und die Gruppen, die wir kurz vor unserer Rückreise eingeführt haben? Wird das Projekt ohne Volontäre funktionieren? Und wann wird es wieder die Möglichkeit geben, dass neue Don Bosco Volos nach Rango kommen?

Schon kurz vor dem Rückflug fingen diese Fragen an: an was werde ich mich erinnern, wenn ich auf meine Zeit in Rango zurück schaue? Was wird im Kopf bleiben? Und hier gingen die Fragen dann weiter: wie wars denn in Ruanda? Was hast du so erlebt? Bist du traurig, dass du jetzt wieder hier bist? Ich habe, auch wenn meine Zeit in Rango kürzer war als erwartet, so unglaublich viel erlebt und gelernt, gewundert, gefragt, gelehrt, gespielt, getanzt, gelacht, gebetet, gewartet, gesungen, gefeiert und gesprochen.

Text: Friederike Feithen

Die offene Kinder und Jugendarbeit ist in unserer Kirchengemeinde sehr präsent.

JUGENDZENTREN

Don-Bosco-Club
Tiefentalstraße 38
51063 Köln
0221 / 6 47 08 55
 
Area 51
Galileistr. 8
51065 Köln
0221 / 16 92 00 74
 
Support 51
Charlierstraße 11
51065 Köln
0221 / 16 83 49 32

Jugendliche - News & Infos

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