Die beiden anderen Buchbesprechungen behandeln dieses Mal keine Neuerscheinungen, sondern – aus Anlass seines 200. Geburtstags – zwei Romane von Theodor Fontane.

Wie immer empfehlen wir ein Kinderbuch. Außerdem stellen wir eine Schrift von Martha Nussbaum über das weit verbreitete Phänomen der Angst vor, die ebenso gut ein langer Leitartikel in einer großen Tageszeitung sein könnte. Die beiden anderen Buchbesprechungen behandeln dieses Mal keine Neuerscheinungen, sondern – aus Anlass seines 200. Geburtstags – zwei Romane von Theodor Fontane.

Zeit zum Lesen

 

Anne Steven


Martha Nussbaum:
Königreich der Angst. Gedanken zur aktuellen politischen Krise

Die amerikanische Philosophin, Professorin für Law and Ethics in Chicago, hat sich aus aktuellem politischen Anlass – Wahl von Donald Trump, Erstarkung der Rechten in den USA und Europa, die allenthalben zunehmend giftige Atmosphäre – Gedanken über die Ursachen dieser Phänomene gemacht und findet sie in einem Königreich der Angst.
Angst ist ein existentielles Urphänomen. Sie begleitet den Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das aber reflektiert Nussbaum nicht. Sie verweist zwar auf antike Denker wie Platon und Aristoteles, blendet aber völlig aus, dass die Urangst in und seit dem frühen Christentum eine entscheidende Rolle spielt. Denker wie Kierkegaard und Heidegger kommen bei ihr nicht vor. Sie beschränkt sich vielmehr auf die Beschreibung der heute besonders aktuellen Phänomene: Wut, Neid und Ekel als Folge einer Macht- und Hilflosigkeit, die in Feindseligkeit und Gewalt umschlägt und der die Angst zugrunde liegt. Aus diesen Phänomenen beziehen die Rechtspopulisten ihre Rechtfertigung. Angstmacher erzeugen überall Panik und versprechen Sicherheit, wo es keine Sicherheit gibt. Heute ist beispielsweise die AfD die drittstärkste Partei im Bundestag. Die ehemalige Parteichefin Frauke Petry sagte schon 2015: „Wir brauchen die Ängstlichen, um Mehrheiten zu bewegen.“
Aber warum uns Wut und Neid heute stärker im Griff haben als frühere Generationen, verschweigt die Autorin. Nussbaum beschränkt sich auf die Beschreibung des Gegebenen ohne historische Bezüge. Sie versucht, Lösungsmöglichkeiten für die Probleme aufzuzeigen. Leider verfällt sie dabei oft in einen unangenehm predigerhaften Ton.

Darmstadt: 
Theiss Verlag (2019) 299 S., 28,00 €

Andy Herzog


Theodor Fontane:
Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herzen findt.“

1892 erschien dieser Roman, der sich hervorragend zum Einstieg in das Werk von Fontane eignet. Er soll nach den Worten des Autors das Hohle, Phrasenhafte und Lügnerische der Bourgeoisie zeigen, die von Schiller spricht und Gerson [vornehmes Berliner Kaufhaus] meint. Charakteristisch für den Bourgeois und vor allem seine Bourgeoise sind der pseudokulturelle Anspruch und die religiös verbrämte Profitsucht.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die geistreiche und charmante Corinna Schmidt, Tochter eines unbemittelten Professors, versucht, sich mit dem jüngeren Sohn des Kommerzienrats Treibel und seiner Ehefrau Jenny, née Bürstenbinder, zu verloben, scheitert am erbitterten Widerstand der künftigen Schwiegermutter, die selbst aus der Unterschicht nach oben geheiratet hat, lässt ihre Absichten schließlich fallen und heiratet einen zwar nicht reichen, aber gebildeten Mann. Frau Jenny Treibel siegt auf der ganzen Linie. Die Geldsackgesinnung triumphiert am Ende über die bürgerliche Intelligenz.

In einem Brief schreibt Fontane: Der Roman „ist eine humoristische Verhöhnung unserer Bourgeoisie mit ihrer Redensartlichkeit auf … dem Gebiet der Kunst und Liebe, während sie doch nur einen Gott und ein Interesse kennen: das Goldene Kalb.“

Fontane erzählt mit distanzierter Ironie, er schreibt kein satirisches Strafgericht wie später Heinrich Mann. Vielmehr durchziehen eine humoristische Grundstimmung, gutmütiger Spott und versöhnliche Menschenliebe den ganzen Roman.

 
 
Aufbau Taschenbuch 
219 S., 10,00 €

 

 

 

Vesna Büttinghaus


Theodor Fontane: Der Stechlin

Letztes Werk von Fontane und zugleich Höhepunkt seines Schaffens ist der Roman „Der Stechlin“. Der Titel bezeichnet einmal einen stillen See in der Grafschaft Neuruppin, zum anderen ein Schloss am See und seinen Hausherrn, den alten Baron Dubslav von Stechlin. Zum Inhalt schreibt Fontane: „Ein Alter stirbt und zwei Junge heiraten“. Das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht. Von Verwicklungen und Lösungen, von Konflikten, Spannungen und Überraschungen findet sich nichts. Auf einem altmodischen märkischen Gut einerseits und einem neumodischen gräflichen Haus in Berlin treffen sich unterschiedliche Personen und sprechen über Gott und die Welt. „Alles Plauderei, Dialog, in dem sich die Charaktere geben und mit ihnen die Geschichte.“

„Der Stechlin“ ist nach Fontanes eigenen Worten ein politischer Roman, in dem er die Beziehung von Alt und Neu, von Vergangenheit und Zukunft, das Verhältnis von Adel, Bürgertum und viertem Stand reflektiert. Es geht Fontane dabei weniger um Klassenfragen als darum, eine Möglichkeit zu suchen, wie eine individuell realisierte Menschlichkeit über Klassengegensätze hinweg sich glaubwürdig formulieren und vermitteln ließe.

Den gedanklichen Kern bildet der märkische See. In ihm liegt das Wissen um eine revolutionäre Veränderung. Er zeigt an, wenn irgendwo auf der Welt etwas Bedeutendes geschieht. Dann rumort er plötzlich, und bei ganz großen Ereignissen steigt aus seinen Strudeln ein roter Hahn auf, Symbol für revolutionären Umsturz.

Zunächst legt Fontane das Plädoyer für das Neue dem Pastor Lorenzen in den Mund: „Nicht ganz so unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es irgend geht, und mit dem Neuen nur, soweit es muss.“ Aber im weiteren Verlauf des Romans hat sich Fontanes Haltung verschärft. Jetzt lässt er die Gräfin Melusine das Symbol des Stechlinsees, den roten Hahn, entschiedener interpretieren: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.“ Und später noch einmal: „Es ist nicht nötig, dass die Stechline weiterleben, aber es lebe der Stechlin.“

 

Aufbau Taschenbuch 
14,00 €



Mona Tillmann


Kinder malen den Glauben

Am Anfang stand ein Herzenswunsch: Mit Kindern für Kinder ein Bilderbuch gestalten –
Heute ist es Wirklichkeit geworden.
Dieses bunte und lebendige Bilderbuch ist im Rahmen unseres religionspädagogischen Projektes gemeinsam mit den Kindern, Erzieherinnen und Erziehern aus der Kita Liebfrauen und unserem Gemeindereferenten entstanden.

Ein Jahr lang haben wir Jesus „in unsere Mitte“ gestellt, Geschichten aus seinem Leben erfahren, darüber gesprochen und dazu gemalt. Die folgenden Bilder geben die Eindrücke der Kinder in Form und Farbe wieder, die sie aus den Erzählungen und Erinnerungen von unserem Weg mit Jesus mitgenommen haben.

„Papa, wer war Jesus?“

Eine Frage für Theologen. Oder eine Antwort in einem Bilderbuch. Das kleine Baby in der Krippe, das Könige besuchen und Engel bewachen.
Der Mann, dem die Herzen der Menschen zufliegen, weil er ihnen hilft. Aber auch der Mann, der am Kreuz weint.

All das haben Kinder der katholischen Kindertagesstätte Liebfrauen gemalt. Farbenfroh, fantasievoll und mir jeder Menge Freude – wie die Fotos der kleinen Künstler am Ende des Buches zeigen.

Ein schönes Bilderbuch und eine anschauliche Erklärung für Kinder und Eltern.

Text: Friedel Groth / Papa 

 

Kita Liebfrauen
15,00 €

Fotokredit: Silke Grimm

Bild von Pezibear auf Pixabay



 

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