Im März 2018 wurde die Fertigstellung des Waldbadviertels in Köln-Ostheim in Anwesenheit der Oberbürgermeisterin Henriette Reker gefeiert. Zu den besonderen Wohnformen, die in diesem Quartier realisiert wurden, gehört auch das Mehrgenerationenhaus. In der Weihnachtsausgabe von civitas wurde bereits in einem Interview mit Gesine Habermann, Hildegard Klother und Wilhelm Schwedes, die das Projekt maßgeblich mit entwickelt und umgesetzt haben, über das Mehrgenerationenprojekt berichtet. In diesem ersten Teil ging es um Fragen, wie es zu dem Projekt kam, welche Ziele verfolgt wurden, was das Besondere ist, wie es organisiert ist und schließlich wie die ersten Erfahrungen des Zusammenlebens sind. In der vorliegenden Ausgabe wird das Interview mit den drei Bewohnern des Hauses fortgesetzt.  
 
Wie wird das Miteinander-Füreinander konkret im Alltag umgesetzt? Wie und wo finden Begegnungen der Generationen statt?
Schon vor dem Einzug haben wir aktiv Gemeinschaft gelebt z. B. durch zweimalige gemeinschaft- liche Wochenenden und durch eintägige Treffen an Wochenenden. Wir haben miteinander gefeiert oder sind gewandert. Das Miteinander im neuen Zuhause wird sich erst beweisen. Wir wohnen erst seit einigen Monaten zusammen. Die erste Phase war hauptsächlich durch Einzugsaktivitäten geprägt. Zu unseren regelmäßigen Arbeitstreffen treffen wir uns nun im Gemeinschaftsraum. Zusätzlich zu Feiern und Treffen in kleineren Gruppen finden gemeinschaftliche Begegnungen statt wie z. B. einmal monatlich ein Brunch oder ein Stammtisch. Dies ist auch für andere offen. Es gibt verbindliche Vereinbarungen, z. B. die Zustimmungsvereinbarung, die von jedem unterschrieben werden muss, wie wir unser Miteinander gestalten wollen. Gemeinschaft soll so gelebt werden, wie es das Konzept vorsieht. Bewerber haben manchmal ein Problem damit und möchten andere Vorstellungen einbringen. Das wird aber in der Regel von der Planungsgruppe abgelehnt („Nach 10 Jahres-Prozess nicht immer von vorne beginnen.“). 
 
Haben sich schon die Vorteile und evtl. auch Probleme heraus kristallisiert?
Beim Einzug hat jeder viel Unterstützung von anderen erfahren. Es gibt gemeinschaftliche Unternehmungen von kleineren Gruppen (Vorbereitung der Einweihungsfeier, Fahrradfahrt zum Wochenmarkt). Aber auch gegenseitige Hilfe findet bereits statt z. B. bei Krankheit oder bei der Kinderbetreuung. Ältere gehen als „Oma“ mit Kindern zur Einschulung, weil die Mutter beruflich verhindert ist. Ein Kind macht in den Ferien morgens den Brötchendienst für die Älteren. Die Vorstellung, auf Pantoffeln zum Nachbarn zu gehen und keine Angst vorm Klingeln zu haben, wird gelebt. Für jeden von uns ist das Zusammenleben im Haus noch Neuland. Durch die persönliche Prägung jedes Einzelnen reagieren wir verschieden in speziellen Situationen. Für den Einzelnen wird es wichtig sein zu erfahren, wie die Balance aus Nähe und Abgrenzung in der Wohngemeinschaft gelingt. Wer hat wo seine Grenzen? 
 
Wenn eine Seniorin oder ein Senior für seinen Lebensabend an ein generationsübergreifendes Wohnen denkt, welche Fragen sollte er sich stellen, ob es eine für ihn passende Wohnsituation wäre?
Der Schritt vom individuellen Wohnen (normale Nachbarschaft) zum Wohnen in einem lebendigen Mehrgenerationenhaus (aktive Teilnahme an der Gemeinschaft) sollte bewusst getroffen werden. Es ist ein großer Schritt. Mit 40 Jahren sollte man anfangen, sich mit der Frage zu beschäftigen. Ein Alter von 60 Jahren ist der letzte Zeitpunkt. Mehrgenerationenwohnen fordert, sich in einer Gruppe zu öffnen (Kommunikations- und Konfliktbereitschaft), Sich-Zeigen und Gesehen-Werden. Eine Gemeinschaft wird getragen durch aktive, verbindliche Beteiligung aller und nicht von Mitläufern. In einem Mehrgenerationenhaus zu wohnen, heißt nicht billiger zu wohnen. Die Miete für Ausstattung und Betrieb der Gemeinschaftsbereiche müssen zusätzlich zur eigenen Wohnung von allen Bewohnern anteilig getragen werden.
 
Wenn ein Senior sich entschieden hat, in ein Mehrgenerationenhaus zu ziehen, an wen kann er sich wenden? Welche weiteren Projekte gibt es noch im Rechtsrheinischen?
Es gibt mehrere übergeordnete Organisationen, die Kontakte zu den verschiedenen Mehrgenerationenhäusern herstellen können: Wohnen im Alter e.V., Wohnprojekteportale. Jedes Mehrgenerationenhaus bietet Kontaktveranstaltungen an, die von Interessierten besucht werden können (z. B. bei uns Teilnahme am offenen Brunch an jedem 3. Sonntag im Monat ab 11 Uhr im Gemeinschaftsraum). Im Rechtrheinischen gibt es u. E. noch zwei Projekte, und zwar in Porz und in Höhenberg, die sich aber von dem unsrigen unterscheiden.
 
Zum Schluss: Was war Ihre persönliche Motivation in das Mehrgenerationenhaus in Ostheim zu ziehen?
Der Einzug war eine ganz bewusste Entscheidung, im Alter von über 60 Jahren eine neue Lebenssituation  zu wählen, die bedeutet, Gemeinschaft zu erleben. Persönlich war wichtig, im Alter nicht alleine zu sein. Oder aber den eigenen Kindern zu zeigen, dass man sich um das Altwerden bewusst kümmert und ihnen dadurch auch ein Stück Sorge nimmt. Ostheim ist in manchen Bereichen ein prekärer Stadtteil. Dies ist jetzt eher Anreiz geworden, hier zu wohnen. Zumal die Waldbadsiedlung eine Insel darstellt, die durch aktives Miteinander mit den übrigen Ortsteilen eingebunden werden soll. 
 
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führten Marion und Heiner Riemer
 
Foto: Silke Grimm
 
Seniorenarbeit in unserer Pfarrei 
St. Clemens und Mauritius
In der Seniorenarbeit geht es um die Belange der SeniorInnen über vier Generationen (von 60 bis über 100 Jahre) hinweg. Für die SeniorInnen werden Veranstaltungen und Unternehmungen gestaltet und organisiert. Oder es werden Hinweise gegeben, um sie zu unterhalten, zu informieren oder Gemeinschaft zu erleben. Gegenseitige Hilfe, Unterstützung und füreinander Dasein, bilden die Grundlage. Dabei ist wichtig, den Menschen an ihren jeweiligen Kirchort eine Heimat zu geben, aber auch, sie zu bestimmten kulturellen, musikalischen und religiösen Anlässen an unterschiedlichen Orten zusammenzuführen. In diesem Sinne wird angestrebt, mit anderen Institutionen  unserer Pfarrgemeinde und mit den evangelischen Pfarrgemeinden in unserem Stadtteil zusammen zu arbeiten. Im Laufe der Zeit hat sich daneben herausgestellt, dass ein zukunftsweisender Aspekt der Arbeit, das generationsübergreifende Miteinander (u. a. Vernetzung mit der Familien- und Jugendarbeit) zunehmend bedeutsamer wird. Und nicht zuletzt ist wichtig, SeniorInnen als Mitstreiter zu gewinnen, die sich vorstellen können, im Rahmen der vielfältigen Möglichkeiten mitzuwirken. 

 

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