Das Gesicht der Kirche wird in Zukunft ein anderes sein.
Schon jetzt gibt es nicht mehr in jedem Dorf oder Ortsteil ein offenes Gotteshaus und eine lebendige Gemeinde. In Köln-Mülheim hat die Gemeinde längst die Weichen Richtung Zukunft gestellt.
Die Zukunft hat in Köln-Mülheim schon vor zehn Jahren begonnen. Nach langen Diskussionen und Überlegungen wurden jetzt endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht, wie Pfarrgemeinderatsmitglied Brigitte Hoffmans erklärt. Gemeinsam mit dem leitenden Pfarrer Stefan Wagner und dem gesamten Seelsorgeteam wurde ein zukunftsfähiges Konzept für die acht Kirchorte erarbeitet, ein Konzept mit manch Einschnitten.
Veränderte Bedingungen in Kirche und Gesellschaft machen die Neuerungen notwendig. In der fusionierten Pfarrei St. Clemens und Mauritius mit rund 13.000 Katholiken in Herz Jesu, Liebfrauen, St. Antonius, St. Clemens, St. Mauritius, St. Petrus Canisius und St. Theresia gibt es acht Kirchorte. „Vier Kirchorte wollen wir kirchnah in neue Verwendungen überführen“, so Wagner. Bereits im vergangenen Monat wurden die pastoralen Tätigkeiten zum Beispiel in St. Antonius, St. Theresia und St. Elisabeth eingestellt. Die Messen aber werden weiterhin zu den gewohnten Zeiten gefeiert, allerdings an neuen Orten wie der Niederlassung der Salesianer Don Boscos.
Liebfrauen in Mülheim, St. Petrus Canisius in Buchforst und St. Mauritius in Buchheim bleiben den Gläubigen als „Stadtteilkirchen“ erhalten. Das gilt auch für St. Clemens, die oft als Ausstellungsraum genutzt wird. „Wir haben für jede Kirche eine Idee, wie es weitergehen soll, und diese Ideen sind gut angenommen worden“, so Hoffmans. In Mülheim gibt es sechs Gemeinden der internationalen Seelsorge, mit denen es schon viele Jahre „gute Kooperationen“ gibt, zum Beispiel die indische Gemeinde, die ukrainisch-katholische Gemeinde sowie Gemeinden mit ostafrikanischen und westafrikanischen Christen. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde hat schon vor Jahren die Kirche St. Elisabeth erworben und ist dort ansässig geworden.
Kooperation mit internationalen Gemeinden
Die internationalen Gemeinden, denen die Mülheimer Kirchen überlassen werden, haben einen großen Einzugsbereich mit vielen Gläubigen, der bis Aachen und ins Ruhrgebiet reicht. „Wir haben festgestellt, dass die Kooperationen mit den ausländischen Gemeinden gut laufen und bitten sie zum Beispiel auch, in unsere Stadtteilkirchen zu kommen, wo dann die Gottesdienste eben hintereinander gefeiert werden“, so Pfarrer Wagner.
Er verspricht sich Einsparungen etwa in Bezug auf Energiekosten, den Winterdienst, beim Kerzen- und Blumenschmuck oder der Weihnachtsdekoration. Es gebe nicht mehr genug ehrenamtliche Helfer für verschiedene Ämter. „Auch wenn die Kirchen nicht mehr bespielt werden, wird darauf geachtet, dass die Bausubstanz erhalten bleibt und die Wartungen weiterlaufen“, so der Pfarrer.
Konkrete Überlegungen gibt es etwa für St. Theresia. Zurzeit werden Gespräche mit dem Schulamt geführt, damit die Räume von der benachbarten Gemeinschaftsgrundschule An St. Theresia übernommen werden, beispielsweise für die Mensa, die Aula oder Räume für Projektwochen. „Ob wir diese Ideen umsetzen können, wissen wir noch nicht“, so Wagner, die Entscheidung liege bei der Stadt. Schon jetzt werden einige Kirchenräume zu gewissen Zeiten schulisch genutzt, etwa für Workshops oder Projektwochen.
In St. Antonius, die der eritreischen Gemeinde übergeben wird, soll nach Plänen von Wagner, seinem Team und einem Architekten im Langhaus ein moderner Raum mit Platz für den benachbarten Don Bosco Club gestaltet werden, eventuell mit Büros und Café, aber unter Beibehaltung der Apsis als liturgischem Raum. Eine Profanierung steht für keine der Kirchen im Raum.
Die Internationale Katholische Seelsorge (IKS) mit Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp als zuständigem Bischofsvikar soll als IKS-Zentrum in der Herz-Jesu-Kirche an der Danziger Straße heimisch werden.
Ein Konzept für dieses Projekt eines Zentrums für Gläubige aus vielen Ländern wird zurzeit im Generalvikariat erarbeitet. Finanzierung und Organisation werden beim Erzbistum liegen. In der Diözese sollen in nächster Zeit mehrere IKS-Zentren eingerichtet werden. Rund 350 000 Katholiken anderer Muttersprachen leben im Erzbistum Köln und praktizieren ihren Glauben in 43 muttersprachlichen Gemeinden (mit 27 Sprachen) und zehn Riten.
Für Pfarrer Wagner steht fest: „Wenn wir jetzt nicht Weichen stellen und warten, bis der Letzte das Licht ausmacht, geht es in den Kirchen nicht weiter“, so Wagner.
Text und Fotos: FELICITAS RUMMEL
St. Clemens und Mauritius
