Im Gespräch mit Familie Hamacher: Anika (35), Klaus (43), Tochter Charlotte (8), Sohn Jonathan (4)

Frau Hamacher, Sie leben jetzt praktisch ihr ganzes Leben in Buchheim. Was ist es, das Sie hier hält, oder anders gesagt, wieso gerade Buchheim?
Ja, ich bin in Mülheim, quasi an der Grenze zu Buchheim aufgewachsen und in St. Elisabeth getauft. Meine Familie war immer schon in St. Mauritius verwurzelt. Meine Eltern haben hier damals schon viel bei der Familienarbeit mitgemacht, und irgendwie bin ich dann hier hängen geblieben. Man hat auch Freunde von damals, die auch hier geblieben sind.

Ihre Familie ist ja tief verwurzelt in der Kirchengemeinde, und speziell in St. Mauritius. Wie haben Sie denn die Veränderungen der letzten Jahre in der Kirchengemeinde wahrgenommen, und wie geht es Ihnen und Ihrer Familie damit?Anfangs war es schon ein etwas erschreckend, wie weitläufig das Gebiet dann wurde. Es hat sich früher alles auf eine Kirche beschränkt, und dann kam zunächst Buchforst hinzu. Es ist inzwischen ja ein sehr großes Pfarrgebiet geworden, und ich dachte, man kann doch nicht überall sein und die Menschen einfangen, was ja auch schwierig ist und eben heute ja auch nicht so richtig funktioniert. Aber wenn man mit der Zeit geht, wächst man auch da rein.

Nicht nur die Kirchengemeinde hat sich stark verändert, sondern auch das gesellschaftliche Leben in unserem Gemeindegebiet. Wie erleben Sie das?
Wenn man sich Mülheim ansieht, ist das schon etwas beängstigend. Nehmen wir einmal den Wiener Platz. Wenn es dämmrig wird, würde ich meine Kinder dort nicht alleine langlaufen lassen. Das war früher bei uns anders. Wir konnten schon früh alleine irgendwo hingehen. Es war eben gesitteter vielleicht. Auch der Drogenkonsum war nicht so präsent und öffentlich. Das mit der Tafel und der Lebensmittelausgabe finde ich super, da wird schon einiges aufgefangen. Mit den Veränderungen in der Gesellschaft wandeln sich auch die Angebote, und die ehrenamtliche Arbeit gewinnt noch mehr an Bedeutung.

Wie erfahren Sie denn, was so in der Gemeinde los ist / passiert?
Die Verbände informieren sich untereinander. Aber vieles läuft, trotz der ja schon vor Jahren vollzogenen Zusammenlegung, immer noch sehr lokal ab. Bei den Menschen, die sich einem Kirchturm zugehörig fühlen, ist immer noch ein Konkurrenzdenken da. Das Gemeinschaftsgefühl ist gemeindebezogen in großen Teilen noch nicht vorhanden. Vor allen Dingen älteren Menschen fällt es wohl schwer, sich auf die ganze Gemeinde einzulassen.
Meine Mutter bringt immer dieses Kirchenblättchen mit, darüber erhalten wir auch einiges an Informationen oder eben einfach über den KAB und die Verbände allgemein.

Das letzte Pfarrfest an St. Mauritius ist ja noch nicht lange her. Was waren denn so ihre Eindrücke?
Das Pfarrfest war wieder sehr gelungen. Das tolle Wetter hat natürlich auch viel dazu beigetragen und der Samstagabend war sehr gut besucht; wahrscheinlich auch durch die Band, die nach einer Pause wieder gespielt hat. Auch der Sonntag für die Familien war gut besucht.

Ihre Tochter Charlotte geht nächstes Jahr mit zur ersten heiligen Kommunion. Da kommen mir gleich zwei Fragen in den Sinn: Was halten Sie denn von dem neuen Konzept der Kommunionvorbereitung (Anm. d. R.: Wurde in der letzten Ausgabe von civitas vorgestellt)?
Wir haben uns eine Gruppe zusammengesucht, die das alles sehr intensiv gestaltet. Wir gestalten den Familiengottesdienst in St. Mauritius und treffen uns Samstags, um das vorzubereiten. Die Kinder treffen sich einmal im Monat, und wir planen und entwickeln vom Kinderchor her ein Musical. Wir haben uns auf die sehr intensive Vorbereitung geeinigt, weil uns das sehr wichtig ist
Die Idee aus dem neuen Konzept, die Familien mit einzubinden, ist super, damit nicht einfach dass Kommunionkind losgeschickt wird und dann die Feier irgendwann stattfindet. Was aber fehlt, ist die Kommunionvorbereitung an sich. Ich bin schon der Meinung, das es wichtig ist zu vermitteln, was bedeutet es eigentlich, dass ich jetzt mit zu Kommunion gehe. Was ist die Kirche? Was macht die Kirche? Diese Fragen und die dazu gehörigen Antworten gehen etwas verloren. Immer nur Spaß haben ja, aber diese Fragen lassen sich ja auch verpacken, wie z. B. in dem geplanten Musical. Da geht es um die Geschichte, wie Jesus als 12-jähriger in den Tempel gegangen ist.
Es funktioniert bei uns gut, weil wir schon eng an die Gemeinde angebunden sind. Wenn aber Familien weiter weg sind von der Gemeinde und der Kirche, die werden da ins kalte Wasser geschubst und müssen sehen, wie sie zurecht kommen. Es muss ja nicht so intensiv sein, aber regelmäßige Treffen – vielleicht einmal im Monat – wären da sicher hilfreich. Es muss ja kein theoretischer Unterricht sein. Wir haben das auch spielerisch gemacht, so haben wir die Kirche besichtigt und begutachtet, was gibt es da alles in der ¬
St. Mauritius-Kirche mit dem Kreuzweg beispielsweise. Anschließend haben wir mit den Kindern ein Quiz gemacht, das wir selbst erarbeitet haben.

Was wird denn auf Charlotte im Hinblick auf die Kirche warten, wenn wir einmal in die Zukunft schauen und Charlotte erwachsen ist?
Unsere Hoffnung ist, dass sie das Gleiche erwartet, wie das, was wir erlebt haben. Dass sie da ihren Weg und ihren Platz findet. Wie die Kirche dann aussieht, ist natürlich eine schwierige Frage. Es gibt ja einen stetigen Wandel, und die Frage ist ja auch, wie wandelt sich die Gesellschaft.

Was könnte die Kirche – und konkret die Kirchengemeinde – denn tun, um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen?
Vielleicht mehr Hand-in-Hand mit den ehrenamtlichen Kräften zusammenarbeiten. Die Seelsorger werden immer weniger, und die Gemeindegebiete werden immer größer. Da muss man versuchen, sich mehr auf die Ehrenamtler einzulassen und die Zusammenarbeit stärken und mit Wertschätzung honorieren. Auch eine Unterstützung in manchen Bereichen ist hier sehr wichtig.

Auch das fragen wir gerne: Haben Sie in Buchheim „Lieblingsplätze“ und würden Sie uns diese verraten?
Der Piratenspielplatz (Anm.d.R.: Auf dem gerade dieses Interview geführt wird) und allgemein die Spielplätze (Charlotte). Und dann sicherlich die Merheimer Heide.

Und jetzt unsere Standard-Frage zum Abschluss: Eine gute Fee schenkt Ihnen drei Wünsche, was wünschen Sie sich?

- Einmal gibt es da von Freunden ein Geschwisterkind, das sehr krank ist. Dem würden wir gerne Gesundheit wünschen.
- Der zweite Wunsch wäre, dass unsere Kinder zufrieden aufwachsen können, in einer Zukunft, die nicht von so viel Hass geprägt ist, wie wir das gerade erleben.
- Und als dritten Wunsch – und das ist jetzt ganz egoistisch – ein kleines Häschen für unsere Familie.

Herzlichen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führte Reinhard Linke

Fotonachweis: Silke Grimm



 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.